anders sein
Es war wieder einmal Wahlkampf in Wien, Ab- und Ausgrenzungen aller Art hatten Hochblüte. Doch warum irritiert es uns, wenn Menschen anders aussehen, eine andere Kultur haben oder sich anders geben, als wir selbst?
Was ist Anderssein überhaupt? Anderssein als solches ist eigentlich keine Kategorie, erzählen die Sprachwissenschafter Alexander Preisinger und Niku Dorostkar von der Universität Wien. Sie leiten ein gerade begonnenes „Sparkling-Science“-Forschungsprojekt mit dem Titel „Migration macht Schule“, bei dem der – zwar häufig nicht mehr so offensichtlich, aber doch - auftretende rassistische Diskurs in Internetforen untersucht wird. Anderssein bedingt den Vergleich. Die wesentliche Frage lautet also: Anders – als wer? Als die Mehrheit? Welche Mehrheit? Als Touristin ist man „anders anders“, als ein Arbeitsmigrant.
Anderssein ist also eine Frage der eigenen Wahrnehmung.
Aus kulturwissenschaftlicher Sicht sieht man die Unterschiede noch nicht als negativ an. Wir brauchen eine gewisse Unterscheidung sogar, um eine eigene Identität zu entwickeln. Wenn ich also feststelle, dass der andere blond ist, merke ich, dass ich nicht blond bin.
Die geschürte Angst
Anders zu sein zeigt erst dann negative Auswirkungen, wenn das Andere genutzt wird, um eigene Interessen durchzusetzen. Diese Instrumentalisierung passiert in Nationalstaaten ebenso wie zum Beispiel bei Geschlechterunterschieden.
Wem nützt es, dass Frauen um ein Drittel weniger verdienen als Männer? Wer zog Nutzen aus der sogenannten „Rassen“-Trennung unter dem Apartheidregime Südafrikas? Immer gab – und gibt – es bestimmte Gruppen, die daraus Vorteile ziehen. So ist es auch bei der Plakatkampagne der Strache-FPÖ „Wiener Blut“.
Im Alltag verallgemeinern Menschen schnell Einzelerlebnisse und verbinden sie mit einem angebotenen Konstrukt. Aus der geschürten Angst entsteht Ausgrenzung, und davon betroffen können neben Ausländern auch Alte oder Umweltschützer sein. Selbst migrantische Gruppen – etwa in Schulen – rotten sich zusammen und grenzen sich ab, werfen den Österreichern beispielsweise zu hohen Alkoholkonsum vor, wie eine aktuelle Studie von Edit Schlaffer feststellte.
Anders sein als Ausdruck des eigenen Wesens
Auch junge Menschen, die sich anders geben als die breite Masse, werden offen oder versteckt attackiert.
Autorin: Anni Bürkl
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