4. Wärmepumpe
Teures Heizen mit Strom
Wärmepumpen sind Anlagen, die einem Medium (Luft, Wasser, Erde) Wärme entziehen und mit einem Kompressor auf ein höheres Niveau heben. Energiesparend, kostengünstig, zukunftssicher und umweltschonend – versprechen die Hersteller. Schaut man sich die Wunderwerke der Heiztechnik genauer an, schaut das Ganze dann doch etwas anders aus.
Tipp 1: Wärmepumpen faszinieren auf den ersten Blick. Das flüsterleise Gerät ist in etwa so groß wie ein Kühlschrank, entzieht der Luft, dem Wasser oder der Erde Wärme und leitet sie in ein Heizsystem. Ein Kompressor bringt diese niedrige Umweltwärme auf ein höheres Niveau. Kein Brennstofflager, keine Staubbelastung, kein Feuer, keine Asche, kein Kamin, keine schädlichen Emissionen, fast kein Wartungsaufwand, bequem zu bedienen. Schauen Sie sich auch an, was hinter diesem technischen Wunderwerk steckt.
Tipp 2: Die Wärmepumpe wird mit Strom betrieben. Aus einer Kilowattstunde (kWh) elektrischer Energie, die in die Wärmepumpe fließt, erzeugt diese je nach System zusammen mit der Umweltwärme etwa 2,3 kWh bis 4,5 kWh Heizenergie. Dieser Wert wird Jahresarbeitszahl (JAZ) genannt. Je höher umso besser. Am schlechtesten schneidet bei zahlreichen Untersuchungen die Luftwärmepumpe ab. Erdwärmepumpen erreichen eine JAZ zwischen 3,0 und durchaus respektablen 4,5. Die Effizienz hängt allerdings auch von den Gegebenheiten vor Ort ab. Die hohen Angaben der Hersteller halten dann vielfach dem Praxistest nicht stand.
Tipp 3: Der Strom zum Betrieb der Wärmepumpe muss irgendwo produziert werden. Im Winter, wenn allgemein sehr viel Strom gebraucht wird und die Flüsse wenig Wasser führen, steigt der Anteil an Atomstrom im Mix, Kohle- und Gaskraftwerke werden zugeschaltet, um den erhöhten Bedarf zu decken. Werden die Transportverluste von rund 30 % berücksichtigt, verschlechtert sich eine JAZ von 3,0 bereits auf 2,3. Wenn auch noch eingerechnet wird, dass der Wirkungsgrad eines bestehenden kalorischen Kraftwerkes, bei dem die Abwärme nicht als Fernwärme genutzt wird, bei rund 40% liegt, kommt man auf einen Primärenergieeinsatz von 3,25 kWh. Es wird also mehr Energie in die Stromproduktion gesteckt als man im Haushalt mit der Wärmepumpe wieder bekommt.
Tipp 4: Die Wärmepumpe zählt zu den teuersten Heizanlagen. Je nach System sind zwischen 14.000 und 25.000 Euro zu berappen. Davon abziehen kann man die Kosten für den Kamin in der Höhe von rund 2.000 - 3.000 Euro. Den Lagerraum für Brennstoff erspart man sich ebenfalls. Weiters erspart man sich jährlich rund 250 Euro, weil kaum Servicekosten anfallen und der schwarze Mann nicht mehr zu Besuch kommt.
Tipp 5: Will man mit einer Wärmepumpe kostengünstig heizen, gelten die gleichen Voraussetzungen wie für jedes andere System. Das ist in erster Linie eine sehr gute Wärmedämmung. Ein Einsatz von Wärmepumpen empfiehlt sich erst dann, wenn die Energiekennzahl unter 30 liegt. Dieser Wert ist nur in einem bestens isolierten Haus zu erreichen.
Tipp 6: Eine weitere Voraussetzung ist eine Wand- oder Fußbodenheizung, die mit niedrigen Temperaturen von rund 35 Grad beschickt werden können. Je kleiner der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizwasser, desto effektiver arbeitet die Wärmepumpe. Wer seine Heizkörper mit 60 Grad heißem Wasser von der Wärmepumpe beschicken will, wird sich wohl auch an der Stromrechnung seine Finger verbrennen.
Tipp 7: Energieversorger bieten günstigere Wärmepumpentarife. Diese liegen inkl. aller Begleitkosten bei rund 17 Cent/kWh. Pellets kosten knapp 4,5 Cent/kWh. Die tatsächliche JAZ müsste daher schon deutlich über 3,5 liegen, wenn man bei den Heizkosten viel günstiger fahren möchte. Achtung: Der billigere Tarif rechnet sich wegen der zusätzlichen Zählergrundgebühr erst ab einem Verbrauch von rund 2.300 kWh.
Tipp 8: Wer sich für den günstigeren Wärmepumpentarif entscheidet, erhält von seinem Energieversorger einen Doppeltarifzähler, mit dem der Stromverbrauch der Wärmepumpe und der des restlichen Haushalts getrennt erfasst wird. Entscheidet man sich dafür, kann der Strom aus einer hauseigenen Photovoltaikanlage nicht für den Betrieb der Wärmepumpe verwendet werden.Wenn Sie eine PV-Anlage haben und den Sonnenstrom für die Wärmepumpe nutzen möchten, sollten Sie beim Normaltarif bleiben.
Tipp 9: Moderne Passivhäuser mit hervorragender Wärmedämmung und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung benötigen schon heute nur in geringstem Ausmaß eine zusätzliche Wärmequelle. Hier kann eine Kleinstwärmepumpe ihre Vorteile voll ausspielen. Der gesamte Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung im Sommer liegt bei solchen Kompaktanlagen bei 1.500 bis 2.500 kWh zum Preis von 200 bis 400 Euro pro Jahr. Bei so geringen Verbrauchsmengen kann eine Photovoltaikanlage einen Großteil des Strombedarfes decken.
Wärmepumpensysteme:
1. Erdreich-Wärmepumpe
Wird dem Boden Wärme entzogen, gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Bei Flachkollektoren werden in einer Tiefe von 1,2 bis 1,5 Meter rund um das Haus verlegt. Voraussetzung sind feuchte, lehmige Böden. Die Größe der Kollektorfläche ist abhängig vom Energieverbrauch, der anhand der Gebäudedaten errechnet werden kann und ist in etwa bei 1,5 bis 2,5 Mal so groß wie die Wohnfläche.
Eine Tiefenbohrung braucht weniger Platz. Pro Kilowatt Heizleistung beträgt die Bohrtiefe je nach Untergrund 15–25 Meter. Von der Effizienz her sind beide Systeme vergleichbar. Kosten: 20.000 bis 25.000 Euro.
2. Wasser Wärmepumpe
Hier wird das Grundwasser als Wärme angezapft. Dazu müssen zwei Brunnen - ein Entnahme- und ein Schluckbrunnen - im Abstand von 10 bis 15 Meter angelegt werden. Der Grundwasserspiegel sollte nicht tiefer als 15 Meter liegen. Kosten: 18.000 bis 22.000 Euro.
3. Luftwärmepumpe
Sie bezieht die Wärme aus der Umgebungsluft, es sind daher keine Grabungsarbeiten notwendig. Die Effizienz von Luftwärmepumpen ist am geringsten. Kosten: 14.000 bis 16.000 Euro.
4. Kleinstwärmepumpe
Eine Kleinstwärmepumpe ist Bestandteil eines Kompaktgerätes, das auch die Lüftung und den Brauchwasserspeicher enthält. Auch diese Wärmepumpe arbeitet mit dem Medium Luft und zwar mit verbrauchter Luft aus dem Gebäude. Sie wird deshalb auch als Fortluft-Wärmepumpe bezeichnet. Kosten: 24.000 bis 28.000 Euro (inklusive Wohnraumlüftung).











